Auckland oder Berlin?
30. Juni 2009 von thomasKennt Ihr den Film “Start Trek VII: Generations“?
Dort versuchte der Bösewicht ohne jegliche Rücksicht in den “Nexus“ zu gelangen, ein Raum-Zeit-Phänomen in dem man entrückt von der wirklichen Welt in einer Traumwelt leben kann.
Zurück aus dem Nexus
Rückblickend war das Jahr in Neuseeland für uns ein Jahr in einem solchen Nexus. Wir lebten in einer anderen Zeitzone fern ab der übrigen Welt. Das tägliche Leben, die Sorgen, die Informationsflut belästigten uns kaum. Statt sich Gedanken über Politik, Wirtschaft oder Arbeit zu machen fragte ich mich mittags welche Sorte Muffin ich abends am Strand essen will. Oder zerbrach mir den Kopf darüber ob gerade die Flut den Strand besetzt hat und ich erst eine Stunde später schwimmen gehe.
Jetzt, zurück in Deutschland, ist das Leben hektischer geworden. Wir haben wieder das Gefühl in sozialen-wirtschaftlichen-politischen-oder-sonstwelchen-Spinnennetzen zu stecken. Ständig prasseln Informationen auf einen an, die Leute können erreichen und die angesammelte Entspannung trägt sich ab. Und wir wünschen uns ganz oft zurück.
Zurück in den Nexus?
Ist Deutschland damit schlechter als Neuseeland? Weniger lebenswert?
Wenn wir das wüssten, dann hätten wir ein Problem weniger. Nämlich die Entscheidung, ob ich eine Doktorstelle in Auckland annehme und dort in den nächsten 4 Jahren einen “Doctor of Philosophy” im Recht mache.
Hört sich zunächst super an und solange wir noch in Neuseeland waren, kam nichts anderes in Frage. Aber jetzt in Deutschland haben wir auch die Vorteile Deutschlands kennen gelernt:
- Freunde und Familie, die wir immer besuchen können (und bei vielen es langsam tun sollten)
- Bessere Internetverbindung. Viel bessere.
- Die Gespräche mit Leuten sind tiefer und weniger oberflächlich.
- Es gibt noch Länder neben an, die man ohne Schiff/Flugzeug erreichen kann.
- Die Vielfalt der Kultur (viel mehr Metal&Punk-Konzerte
) - Zentralheizungen und isolierte Häuser
- Der Durchschnittsverdienst ist doppelt so hoch.

In Deutschland viel, viel entwickelter- Computerspiel- und LAN-Kultur
Seltsam, ich hätte es nie gedacht, aber ich finde Deutschland jetzt viel besser als vor anderthalb Jahren. Nachteile gibt es in Deutschland aber auch viele:
- Hektischeres, unentspanntes Leben
- Ein kaum durchschaubares Versicherungsnetz
- Wetter, es ist Sommer und es regnet dauernd. Naja, so fühlt es sich wenigstens wie der Kiwiwinter an.
- Licht, liegt Deutschland unter einem Graufilter?
- Bleiche Gesichter und mürrische Blicke überall.
Dann kommen wir mal zu Auckland, was sind dort die Vorteile? (Ich spreche von Auckland, weil andere Ecken in Neuseeland, wie Wellington oder die Südinsel für uns nicht in Frage kommen. Zu windig, zu kalt oder zu fern ab.)
- 9 Monate Sommer
- Licht, viel Licht. Dieses Licht ist wie eine Droge, eine Ladung Energie, die man jeden Tag indiziert bekommt. Schon beim Aufstehen fühlt man sich besser, wenn alles (auch im Winter) hell und grün ist. Genau genommen machen das Licht und das Wetter 90% aller Argumente nach NZ zu gehen aus.
- Meer, blauer Pazifik mit Möwen, Haien und Vulkaninseln. Nein, Hamburg ist kein Ersatz. Hamburg ist kalt.
- Bewegung. In Neuseeland lebt man mehr draußen. Deutschland ist eher ein Land für Drinnies. Ich glaube dort täglich 10x soviel wie in Deutschland draußen gewesen zu sein.
- Das Fernsehprogramm ist besser, kreativer und internationaler.
- Die meisten Menschen lächeln!
Schön wäre es ohne, aber auch Auckland hat Nachteile:
- Die Wohnungen sind teuer (Wie in einer deutschen Großstadt), der Verdienst dagegen halb so hoch wie in Deutschland.
- Die Wohnungen sind im Schnitt qualitativ viel schlechter.
- Behörden und auch die Uni nerven, weil man hinter allem her laufen muss.
- Flöhe.
- Viel mehr Oberflächlichkeit unter den Menschen.
- Wir müssten dort arbeiten und bei Urlaubszeiten von 14-20 Tagen würden wir von Neuseeland und vor allem dem Rest der Welt nicht viel sehen.
- 1 Jahr ist eine überschaubare Zeit, in der man mit einem Urlaubsgefühl leben kann. Aber in 4 Jahre kann sich alles wieder schnell in täglichen Trott wandeln.
- Das letzte Jahr war wundervoll, toll, großartig, perfekt. Irgendwie haben wir Angst diesem Glanzstück an Lebenszeit Kratzer zu verpassen oder gar versuchen es zu kopieren.
Die bärige Alternative
Tja, seit Wochen wiegen wir diese Argumente hin und her, sind mal pro Kiwi, dann wieder pro Deutschland un umgekehrt. Wir müssen aber unseren Nomadentrieb befriedigen. Und daher kamen wir auf folgende Idee:
Wir könnten nach Berlin ziehen. Es wäre auch was anderes, eine richtige Großstadt mit neuen Erfahrungen, neuen Menschen und Eindrücken. Dort gibt es auch genug Kinos mit Filmen in Originalsprache. Dafür würden wir uns im Winter 3 Monate Urlaub nehmen, um hier nicht im Winter zu hocken. Statt dessen könnten wir in dieser Zeit mehr von der Welt sehen, als wir es in Neuseeland täten. Und das ganze, zumindest geistig, auf 2 Jahre beschränken. Denn was wir nicht mögen ist das Gefühl irgendwo auf Dauer festzusitzen.
Und Katja hat schon konkrete Reisepläne:

Und was hält Ihr davon?
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Juni 30th, 2009 at 12:26 am
Ich habe für Ja gestimmt unter der Auflage ihr adoptiert mich und nehmt mich als euer Kind mit!
Juni 30th, 2009 at 7:50 am
Juhu, schoen, dass ihr heute wirklich bloggt. Ich habe fuer Neuseeland gestimmt, weil ich Euer Blog vermisse und ausserdem, das mit dem halben Einkommen muesstet ihr als Argument vielleicht streichen, denn Berlin ist einkommensniveaumaessig auch bloss wie Neuseeland. Und wenn man sowieso arm ist, kann man wenigstens gepflegt am Strand sitzen.
Aber mal im Ernst, ich wuesste auch nicht wofuer ich mich entscheiden sollte. Andererseits, in Dtl koennt ihr noch lange genug hocken.
Juni 30th, 2009 at 10:09 am
um es in der fußballersprache zu sagen: berlin, berlin, ihr zieht nun nach berlin!
einen freund von mir hat es ebenfalls beruflich nach berlin verschlagen. ist auch so ein nomade wie ihr (war vorher jahrelang beruflich in afrika unterwegs). trotz allem fühlt er sich dort wohl. die mieten sind im vergleich zu anderen großstädten in deutschland wesentlich niedriger. und die stadt hat das gewisse etwas.
die idee übers jahr hinweg “geld zu sammeln”, um dann dem winter zu entfliehen ist doch bombe! damit schlagt ihr zwei fliegen mit einer klappe: ihr seht die welt und bleibt in der nähe eurer familie, freunden und LANs!
also meine stimme geht nach berlin. dann hätte man schonmal 3 leute zusammen, um hierhin zu fahren
ps: ich würd gern ma das gurkenbild sehen, ist sicher eins für die galerie
Juni 30th, 2009 at 11:19 am
Wohl wahr! Und die Natur natürlich.
Ich hab für NZ gestimmt, weil ich nicht einsehe, dass mir meine Übernachtungsmöglichkeit dort in der Flea-Mansion durch die Lappen gehen soll!
Juni 30th, 2009 at 11:20 am
Ach, und pro Berlin/Dtl.: Fahrrad fahren!
Juni 30th, 2009 at 11:21 am
Gibts eigentlich wieder einen Preis für die meisten Kommentare?
Juni 30th, 2009 at 12:58 pm
Ihr glaubt ja gar nicht, wie oft ich an euch denke…
und dabei natuerlich an einmalige Ausfluege in einem Wunderland. Um etwas gesundes mit viel Natur oder etwas gefaehrliches, was bei uns als grober Unfug nicht versichert werden wuerde zu erleben, ist Nz ideal (dank ACC). Das Lächeln der Leute ist eine echte Aufwertung des eigenen Lebens, dagegen stört mich diese pseudo-Freund-/Höflichkeit in der Sprache. Waren immer alle so verstört, wenn ich denen sagte, was ich dachte. Dagegen in Deutschland einkaufen gehen: Zombieshow der Egoisten.
Berlin und Auckland haben doch einige Gemeinsamkeiten:
große geteilte Stadt (Northshore), großer Turm, viele Kulturen, nen milden Winter, hohe Suizid-Zahlen und eine bessere Versorgung als die anderen Staedte des Landes.
Kommt also darauf an, was Euch wichtiger ist…Geld, Freunde, Zufriedenheit, das Meer um die Ecke, ne warme Wohnung, schneller Internetzugang, nette Menschen, Musik mit alten Freunden hoeren oder neue Freunde fuer die Musik gewinnen oder weiter einen Blog aus einem Land ohne Nachbarstaaten schreiben oder eben nur aus Berlin.
Egal, wenn Ihr nicht kommt, komm ich Euch besuchen. Wo auch immer Ihr seid.
Juni 30th, 2009 at 1:04 pm
sind doch alles keine alternaiven, herr schwenke. das paradies auf erden ist bayern und noch konkreter: München.
nette, intelligente, gutaussehende, meistens fröhliche menschen, gutes essen, gutes bier, schönes wetter, top infrastruktur, gesicherte politische verhältnisse, freundliche polizei (durfte erst kürzlich wieder eur 15 für zu schnelles radfahren zahlen), niedrige steuern, das mittelmeer ist nicht weit und vorübergehend tun’s auch der stanberger see/ammersee/wörthsee/pilsensee/chiemsee/die isar. also: erweitere deine alternativen um eine antwort und ich stimme ab
Juni 30th, 2009 at 7:44 pm
Ich könnte mich gar nicht entscheiden unter den vielen Auswahlmöglichkeiten…
Ich habe deshalb auch für ja gestimmt.
Juni 30th, 2009 at 7:59 pm
Hmmm, schön, wieder von Euch zu lesen…
MICH würde ja die 4-Jahres-Variante reizen.
Ich habe in Berlin gelebt und habe es geliebt…allerdings trifft man dort (Ihr lieben Berliner, verzeiht mir) auf geballte Muffeligkeit
Aber Berlin lebt…sehr…und es ist toll… und kreativ…und man hat alle Möglichkeiten…ich habe in Friedrichshain und hatte nach 10 Minuten Autofahrt Natur pur…geht also auch…und außerdem habe ich manchmal Heimweh nach Berlin…und den vielen netten jungen Menschen dort…und dem Powershoppen…
keine große Hilfe, das, oder?
Juni 30th, 2009 at 8:43 pm
“Meer, blauer Pazifik mit M… Read moreöwen, Haien und Vulkaninseln. Nein, Hamburg ist kein Ersatz. Hamburg ist kalt.” Also Die Haie und die Vulkaninseln gibt es hier tatsächlich nicht, aber kalt ist es nicht – zumindest nicht (gefühlt) kälter als in NZ. Das mit dem Glanz von einem Jahr ist ein gutes Gegenargument, das sich zurückwünschen aufgrund der “Ernstlichkeit in Deutschland” aber auch. Aber wir sind Deutsche und es wird euch so oder so (vermutlich) irgendwann wieder zurückziehen, dann werdet ihr erneut mit der deutschen Ernstlichkeit konfrontiert – wird es dann besser werden? Auckland war sensationell….aber 4 Jahre? Ich würde es nicht tun. Eher nochmal dort bisschen Arbeiten oder hier Geld sparen und reisen. Nicht 4 Jahre dort leben.
Hat das weiter geholfen? Vermutlich nicht
Viel Glück bei der Entscheidung!!
via facebook comments
Juli 1st, 2009 at 2:30 am
@Basti: Super, jetzt darf ich wieder an der Datenbank rummachen, um das Voting gerade zu setzen.
@Ultru: Stimmt, Berlin selbst ist auch nicht reicher.
Dann müssen wir NZ vielleicht gar nicht vermissen. Und sowieso, Berlin ist wie Ausland.
@Zoni: Will da mit. Aber wann hat man Zeit für die Vergnügen, wenn man den zocken muss. Und sowieso, werden auf dieser Tropical LAN nicht alle Whirlpools voll von brechenden Alkis?
@seb: Lass uns die hier zusammen (heimlich) kaufen.
@seb: doll..
@seb:so nicht mein Lieber!
@Denis: Natürlich am liebsten “weiter einen Blog aus einem Land ohne Nachbarstaaten schreiben oder eben nur aus Berlin.” Was denkst Du denn?
@Frau Dangl: Welch Ehre! München ist leider immer noch ein Platz, wo ich nicht war und ich hatte mich ja schon vor Jahren angekündigt zwecks Stadtführung. Vielleicht sollte ich jetzt zugreifen!
@Maniac: Es sind gerade mal zwei Auswahlmöglichkeiten. Ich meine, bei weniger wäre es, denke ich, für jeden einfach. Aber das habe ich mir gedacht, dass Du für Ja stimmst (s. Seb).
@britta: Natürlich, wir wollen auch hin, um zu dem Anteil junger Menschen beizutragen.
Aber danke, das war mal ein schönes Pro!
@Hanna: Doch hilft sehr. Jedoch fand ich Hamburg fehlte das Grün und fühlte sich so windig-wellingtonig an … oder ich war nie in der Sommerzeit dort … oder war ich?
Juli 1st, 2009 at 7:35 am
Auckland ist doch sehr schön, ich würde aber trotzdem Berlin wählen.Danke für die wunderschöne Seite,hier habe eigentlich sehr interessante Sachen gefunden.Ihr seid doch toll:)
Juli 1st, 2009 at 7:45 pm
Als bisher stille Leserin freue ich mich, dass Sie zurück sind. Und: Ich habe für Neuseeland gestimmt. Deutschland ist immer da. Die Neuseeland-Chance vielleicht nur noch das eine Mal.
Und Berlin? Naja…Berlin ist schon dufte. Aber auch nicht für immer.
Juli 3rd, 2009 at 5:21 pm
Lieber Thomas,
ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn Ihr nach Berlin kämet.
Aber die Entscheidung abnehmen, kann ich nicht.
Viel Glück und viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.
Sollte Euch Euer Weg nach Berlin führen, lasst mich das bitte wissen.
Viele Grüße Michael
Juli 5th, 2009 at 9:33 pm
Hallo Thomas und Katja!
Erstmal ein herzliches “Willkommen zurück”!
Es ist schön mal wieder von euch zu lesen.
Also ich würde euch empfehlen, die 4 Jahre NZ durchzuziehen- eine solche Möglichkeit kriegt ihr vielleicht nie wieder.
Danach könnt ihr immernoch nach Berlin oder irgendwoanders hinziehen. Klar, ihr könnt erstmal 4 Jahre nicht viel verreisen- aber 4 Jahre vergehen manchmal wie im Flug. Das eine Jahr ist doch auch ziemlich schnell vergangen, oder?!
Liebe Grüße
Claudi (alias Ocean85)
P.S.: Es steht stimmenmäßig jetzt 50:50! *lol* Eure Leser sind sich also auch nicht einig.
Juli 11th, 2009 at 10:34 pm
@Sandra: *blush* Vielen herzlichen dank, es war auch uns eine Riesenfreude, die wir gerne mit Euch teilten!
@Puppe: Ja, dumm die Orte sind immer länger da als man selbst. Und denen ist auch noch egal, ob man da ist oder nicht. Fies!
@RA Michael Seidlitz: Ja, dann kann ich Dich endlich treffen und gucken, ob Du wirklich nichts anderes machst, außer Twitter mit tollem Inhalt zu befüllen!(für mich sprechend, es soll ja Leute geben, die Urteile nicht gerne lesen, tsts)
@Ocean: Ja, das eine Jahr verging wahnsinnig schnell. Allerdings weil soviel neu war und man sich bei vielem dachte “es ist nur für ein Jahr”. Ich fürchte bei 4 hätte das tägliche Leben es geschaft rüber zu schwimmen und uns zu erwischen.
April 23rd, 2010 at 5:40 pm
Wo man lebt, ist völlig zweitrangig. Entscheidend ist, wie und mit wem man lebt. Egal wo auf der Welt, eins darf man nicht vergessen: man nimmt immer sich selbst mit : )
Deshalb liebe Grüße aus dem (Anti-)Nexus Duisburg
Tarek